Ausstellung:
Parkinson und Pinselstrich: Wie Kunst mit Parkinson verbindet – Urs Bratschi im Interview mit PDArt
Pinselstrich und Parkinson – Die Künstlerinnen und Künstler
Karin Aschwanden (Gemälde)
Beat Bortolosi (Holzbilder)
Urs Bratschi (Pasta Art)
Emma Brown (Buch)
Samantha Egan (Gemälde)
Tina Fischer (Gemälde)
Angela Huwiler (Bast-Skulpturen)
Stanislav Kutac (Gemälde)
Monika Morgenthaler (Seifenblasen)
Renate Meier (Gemälde)
Bernhard Wiebel (Cartoons)
Urs Bratschi ist der Initiand von Pinselstrich und Parkinson.
Die Ausstellung Parkinson und Pinselstrich bringt Kunst und Krankheit auf eine besondere Weise zusammen. Im Mittelpunkt stehen Menschen mit Parkinson, die ihre Kreativität nutzen, um sichtbar zu werden und sich auszudrücken.
Im Interview spricht Initiant Urs Bratschi über seinen Weg zur Kunst, die Idee hinter dem Projekt und darüber, was diese Ausstellung für Betroffene bedeutet
Urs, stell dich doch bitte kurz vor.
Mein Name ist Urs Bratschi. Ich bin 57 Jahre alt, LGBTQ und wohne in der Altstadt von Rheinfelden. Ich arbeite als Software Engineer und habe nach meiner Parkinson-Diagnose, die ich 2014 erhielt, die Kunst für mich entdeckt.
Kunst aus oder mit Lebensmitteln – das ist ja nicht alltäglich. Da fällt mir der Satz meiner Eltern ein: Mit dem Essen spielt man nicht. Zum Glück hast du ihn ignoriert.
Etwa 2021 haben mir meine Freunde gesagt, dass man meine Pasta nicht mehr essen kann, weil es Kunst sei. Pasta (zum Essen) mache ich aber schon länger.
Wie bist du überhaupt zur Kunst gekommen?
Ich habe mir eine Pastawalze gekauft. Ein Arbeitskollege zündete mich an, ich solle doch mal regenbogenfarbige Pasta machen. Er hat das nicht so ganz ernst gemeint, aber ich wollte wissen, ob das geht. Und es ist gegangen! Das war der Funken, der alles ins Rollen gebracht hat.
Wie entstand die Idee für „Parkinson und Pinselstrich“?
Das war letzten Herbst. Die Idee kam wie ein Blitz. Für mich war unmittelbar klar: Das stelle ich auf die Beine.
War es schwierig, die Ausstellung zu organisieren?
Ich kenne die Galerie Kunstwerkstube schon länger. Für mich war klar, dass die Ausstellung dort stattfinden wird. Über meine Netzwerke und Anfragen beim USZ, Inselspital und Move4JPD haben sich die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler ergeben.
Kennt ihr euch untereinander?
Noch nicht wirklich. Aber die Krankheit verbindet sehr.
Was möchtest du mit dieser Ausstellung bewirken?
Die Ausstellung soll ein Raum sein für Menschen mit Parkinson, um ihre Kunst zu zeigen. Oft ist das aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen schwierig. Parkinson und Pinselstrich soll diese Hürden überwinden und gleichzeitig sensibilisieren, was es bedeutet, mit einer chronischen Krankheit zu leben.
Und persönlich – was bedeutet dir das Projekt?
Nichts – es geht um die Künstler, nicht um mich.
Was wünschst du dir für andere Betroffene?
Dass sie ihre Kunst zeigen können und sie Beachtung findet. Tolle Begegnungen mit anderen Betroffenen, aber auch Austausch mit „Gesunden“. Und hoffentlich finden einige der ausgestellten Kunstwerke einen neuen Besitzer. Allgemein auch die Erkenntnis, wie toll und aufregend das Leben als Parki sein kann.
Was soll das Projekt für euer Künstlerteam bewirken?
Jede Menge Energie – trotz oder eben gerade wegen dieser Krankheit jeden neuen Tag Glück zu finden. Denn es ist vorhanden – man muss es nur erkennen.
Welche Botschaft steht hinter „Parkinson und Pinselstrich“?
„Kreativität kennt keine Krankheit.“
Es geht auch darum zu zeigen, dass Anderssein nicht zur Ausgrenzung führen darf. Die Krankheit kostet Kraft – und gleichzeitig entsteht daraus auch neue Stärke.
Wie meistert ihr den Alltag?
Es geht. Menschen mit Parkinson werden oft zu echten Experten im Umgang mit ihrem Alltag.
Seid ihr miteinander verbunden?
Ja. Wer Parkinson hat, versteht vieles ohne Worte. Aussenstehende können das nur erahnen.
Was macht diese Ausstellung besonders?
Die Leidenschaft, welche die Künstlerinnen und Künstler haben. Sie brennt oft lichterloh.
Fazit
Parkinson und Pinselstrich zeigt, was möglich ist, wenn Kreativität auf Mut trifft.
Die Ausstellung schafft Raum, Sichtbarkeit und Verbindung – und macht deutlich: Hinter jeder Diagnose steht ein Mensch mit Ideen, Ausdruck und Energie.
Weitere Beiträge rund um Miniaturfotografie, Kunst und Parkinson findest du auf PDArt.ch.


