Künstlerin:

Emma Brown

Autorin von «Innenleben»

Interview mit Emma Brown

Autorin von «Innenleben»

Emmas Buch kommt aus tiefstem Herzen – mit einer unglaublichen Wärme und gleichzeitig mit einer brutalen Ehrlichkeit.

So viele positive Eindrücke – und trotzdem die volle Wucht der Realität. Mit wenigen, klaren Worten bringt sie alles auf den Punkt, mit gnadenloser Direktheit.

Sabine: Wer bist du – und seit wann lebst du mit der Diagnose Parkinson?
Emma: Ich bin Emma Brown, fast 52 Jahre alt. Die Diagnose habe ich vor 9 Jahren bekommen, im Mai 2017.
Sabine: Was hat dich dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben?
Emma: Ich habe schon mit 20 gesagt, dass ich einmal ein Buch schreiben werde – nur wusste ich damals noch nicht, worüber. Der entscheidende Moment kam an der Lysser Fasnacht. Eine Bekannte erzählte mir, dass meine Facebook-Texte ihr nach einem Hirnschlag bei der Genesung geholfen haben. Da dachte ich: Vielleicht kann ich noch mehr Menschen erreichen.
Sabine: Wenn du «Innenleben» in einem einzigen Satz beschreiben müsstest?
Emma: Ein fadengerades, ungeschminktes Buch über mein Leben mit Parkinson.
Sabine: Ist es dein erstes Buch?
Emma: Ja. Aber ich schreibe bereits an einem Zweiten.

Sabine: Gab es etwas, das du erst beim Schreiben über dich selbst verstanden hast?
Emma: Dass meine Art, positiv mit Parkinson zu leben, ziemlich einzigartig ist.

Daum geht es in Emmas Buch

Sabine: Der Titel ist sehr persönlich. Was war am schwierigsten, ehrlich aufzuschreiben?
Emma: Themen wie Impulskontrollstörung oder Exit. Vor allem, weil meine Töchter das lesen.
Sabine: Welche Symptome werden deiner Meinung nach am meisten missverstanden – selbst von Fachpersonen?
Emma: Die Medikamenteneinnahme. Viele denken, man nimmt einfach eine Tablette und alles ist gut. Aber bei Parkinson ist es extrem komplex: Welche Medikamente, wann, wie viel – und dann noch Wirkung und Nebenwirkungen.
Sabine: Gibt es Momente, die von aussen unscheinbar wirken, sich innen aber extrem anfühlen?
Emma: Genau das zeigt «Innenleben». Was in einem Menschen mit Parkinson passiert, sieht man von aussen oft nicht.

Sabine: Was passiert im «Innenleben», das ein gesunder Mensch nicht sehen kann?
Emma: Dass unglaublich viel gleichzeitig abläuft – körperlich und emotional – ohne dass es sichtbar ist.

Parkinson zum Trotz – oder trotz Parkinson

Sabine: Dein Buch ist lebensbejahend und gleichzeitig brutal ehrlich. Entscheidung oder Notwendigkeit?
Emma: Das ist einfach Emma Brown. Ich kann gar nicht anders.
Sabine: Gibt es Tage, an denen das Positive nicht funktioniert?
Emma: Oh ja. Vor zwei Wochen bin ich frühmorgens schon zum zweiten Mal gestürzt. Mein Partner und ich haben einfach nur zusammen geweint und uns festgehalten.
Sabine: Was hat Parkinson dir genommen – und hat es dir auch etwas gegeben?
Emma: Genommen hat es mir viel: meinen Beruf als Reitpädagogin, die Fähigkeit richtig zu gehen und zu sprechen, das Autofahren, meine schöne Handschrift. Gegeben hat es mir neue, spannende Freundschaften – und durch Move 4 Young PD sogar meine Liebe zu Michael.

Reaktionen aus dem Umfeld

Sabine: Wie reagieren Menschen – oft falsch, obwohl sie es gut meinen?
Emma: Es wird viel zu schnell Hilfe angeboten. Ich möchte als Mensch gesehen werden, nicht ständig als Kranke. Hilfe hole ich mir, wenn ich sie brauche. Und diese schockierten Blicke nach einem Sturz… verständlich, aber sie nerven trotzdem.
Sabine: Was wünschst du dir von Angehörigen?
Emma: Dass sie mich normal behandeln.
Sabine: Gibt es Sätze, die du nicht mehr hören kannst?
Emma: (zwischen den Zeilen spürbar) Alles, was mich auf meine Krankheit reduziert.

Es war nicht immer einfach – aber das kennt Emma

Sabine: Für wen hast du das Buch ursprünglich geschrieben?
Emma: Für Menschen mit Parkinson. Inzwischen denke ich aber auch an Neurologen, Pflegepersonal und Angehörige.
Sabine: Gab es Momente, in denen du gezögert hast, etwas zu veröffentlichen?
Emma: Ja – vor allem bei sehr persönlichen Themen.
Sabine: Was hoffst du, dass Leser nach der letzten Seite fühlen?
Emma: Ich habe es auf der Rechnung so formuliert: Ein Lächeln im Gesicht, eine Träne im Auge und eine wertvolle Erkenntnis.

Die kleinen Dinge schätzen lernen

Sabine: Wenn dein Parkinson eine Stimme hätte – was würde sie sagen?
Emma: Die hat einen mächtigen, dicken Schädel… aber wir haben uns arrangiert.
Sabine: Was ist heute ein «guter Tag» für dich?
Emma: Ein Tag ohne Schmerzen, ohne Stürze, mit wenigen OFFs. Und wenn Michael frei hat und wir mit unserer Hündin Lee draussen in der Natur sind.
Sabine: Ich kenne das: «Zieh nicht so ein Gesicht, lach doch mal.» Kennst du das auch?
Emma: Ich werde eher gefragt, ob ich traurig sei.

Text und Bilder ergänzen sich

Sabine: Dein Buch enthält wunderschöne Illustrationen von Tina Fischer. Wie kam es dazu?
Emma: Ich kannte Tina vorher nicht. Am Welt-Parkinson-Tag habe ich ihr Bild «Spread the spark» gesehen – das hat mich sofort berührt. Ich habe ihr drei Texte geschickt und gesagt: «Schau mal, ob dich die Muse küsst.» Das erste Bild war ein Phönix – passend zu meinem Text über Positivität. Und genau so einen Phönix habe ich mir tätowieren lassen. Da war alles klar.

Ein Geschenk an sich selbst oder für Andere

Sabine: Wo kann man dein Buch bestellen?
Emma: Direkt bei mir:
📩 ladybrown@bluewin.ch
Preis: 29.– inklusive Verpackung und Versand

Danke für dieses offene und ehrliche Gespräch, Emma.
Ich wünsche dir von Herzen weiterhin viel Kraft, viele gute Tage – und ganz viel Erfolg mit deinem Buch.

Sabine

Emma Brown